Internationales Medienfestival kürt Künstler, Profis und Amateure / Der Schwarzwälder Bote ist
Sponsor
Von Dietmar Schindler
"Video, Dia-Audiovision, Computer Multimedia, Laser, True Multimedia, Film im 16- oder
35-Millimeter-Format" - dies alles sind Schlagworte für eine visuelle Darstellungsform, um sich einem
anderen Menschen mitzuteilen. Oder um ihm eine Botschaft zu übermitteln. Dies ist der Ansatz für ein
in Europa einmaliges Ereignis, das Medienfestival in Villingen-Schwenningen vom 4. bis 6. April 2003.
Zum zweiten Mal - nach 2001 - durchflutet die Villinger Neue Tonhalle Festival-Luft.
Dia-Projektorenwände und Beamer zaubern Filmbeiträge im großen Saal auf eine Leinwand in der Größe von
sechs mal neun Metern. Im Foyer informieren Stände namhafter internationaler Firmen über das
derzeitige und zukünftige mediale Angebot. Fachmaterie wird vertieft bei Seminaren in den kleineren
Sälen der Tonhalle.
Über all dem Spektakel schwebt das Motto des Medienfestivals "... tell a story". (Erzähle eine
Geschichte). Die Frage stellt sich natürlich jedem: "Warum ist dieses Festival in Europa bisher
einmalig?" Gibt es doch Filmfestivals zuhauf - in Cannes, Berlin, Venedig, Locarno, oder viele
Video-, Kurzfilm- oder Trickfilmfestivals. Hier kann der Ideengeber und Veranstalter, Michael Hoyer,
studierter Medieninformatiker, sein As aus dem Ärmel schütteln. Das Medienfestival in
Villingen-Schwenningen lässt alle Filme zu, egal mit welcher Technik sie produziert wurden.
Erinnerungen an die Heimatstadt
Die Idee für solch ein Spektakel wurde vor etwa vier Jahren in Freiburg geboren. In der
Breisgaumetropole fanden Michael Hoyer und der Produzent Jürgen Pöhlitz aber kein geeignetes Gebäude.
Michael Hoyer sah dann sofort die Tonhalle in seiner Heimatstadt als ideal an. Das erste
Medienfestival, 2001, war gleich ein großer Erfolg. Medienschaffende und Medienkonsumenten pilgerten
in das Oberzentrum zwischen Baar und Schwarzwald. Aus ungefähr 210 Beiträgen wurden die
Festivalbeiträge ausgesucht. Den ersten Platz und damit den Award "das blaue Auge", verbunden mit
einem Geldpreis erhielt Carmen Stozek von der Hochschule in München. Die junge Filmemacherin sitzt in
diesem Jahr mit in der Jury.
Hoyer war damals schon klar, dass dieses Festival fortgesetzt wird. Mit Hilfe der Schwarzwälder
Bote-Mediengesellschaft und weiterer internationaler Firmen als Sponsoren wurde der Weg geebnet.
Auf der Photokina in Köln war der Informationsstand im vergangenen Jahr umlagert. Erste
Wettbewerbsbeiträge erreichten den Veranstalter bereits, da gab es noch nicht einmal eine
Ausschreibung. Im Januar musste sich dann eine dreiköpfige Vorjury durch 426 eingegangene
Produktionen, meist aus Europa, durcharbeiten und wählte 51 für die vier Showblocks des Festivals im
April aus. Erst später wurde bekannt, dass mit dem Trickfilm "Das Rad" der Ludwigsburger Filmakademie
ein Oscar-Anwärter in Hollywood dabei ist.
Als Veranstalter mit ins Boot stieg der 21-jährige Student und AV-Medienproduzent David Hettich aus
Schönwald im Schwarzwald. Vor zwei Jahren war er von dem Ereignis in Villingen-Schwenningen so
fasziniert, dass er freiwillig eine Arbeit übernahm. Er durfte die Leinwand öffnen und schließen,
sagte Hoyer.
Diesmal zeichnet der Student für die Organisation verantwortlich. Dazu zählt unter anderem, die ganzen
Wettbewerbsbeiträge auf Hochleistungsrechner zu übertragen. Bereits beim ersten Festival wurden die
Showblocks mittels Beamer ohne Pannen auf die Leinwand produziert.
Villingen-Schwenningen rüstet zum Medienfestival. Ministerpräsident Erwin Teufel übernahm wieder die
Schirmherrschaft. Oberbürgermeister Rupert Kubon sieht die große Chance, endlich Farbe ins sonst
medienblasse Land Baden-Württemberg zu bringen. Wichtig für ihn ist, dass der Schwerpunkt auf den
Inhalten liegt.
Somit wird eine Symbiose von Kultur und Technik geschaffen. "Gerade dies muss der Jugend heute noch
stärker vermittelt werden", meint Kubon, "nur Hardware bedienen ist keien Hexenwerk. Der Geist wird
damit nicht geschult."
Hoyer zeigt, dass mit Idealismus und eifrigen, meist ehrenamtlichen Mitstreitern eine Stadt ins
Rampenlicht geführt werden kann. Das finanzielle Risiko liegt beim Veranstalter. Das Programm ist
außerdem so vielfältig, dass für jeden ein spezieller Hauch von Medienluft dabei ist. Neben den
Festival-Showblocks gibt es ein interessantes, teilweise eintrittfreies Rahmenprogramm. Zur Eröffnung
lebt noch einmal die Rekonstruktion der Villinger Silbermann-Orgel in der Multivisions-Show
"Sifflet 1" von Thomas Herzog-Singer auf. Eine Medienperformance der Extraklasse mit Jonglage,
Akrobatik, Artistik und raffinierter Videoanimation bietet die Schweizer Gruppe "Stage TV". Seine
neueste Dia-Reportage zeigt der Überlebenskünstler Rüdiger Nehberg, der mit dem Rad um die halbe Welt
tourte oder mit dem Bambusfloß vom Senegal über Brasilien und die Karibik zum Weißen Haus paddelte.
Mit "Best of Festival" steht am Ende des dritten Tages die Award-Verleihung an die besten Filmemacher.
Da das Publikum die Schwerpunkte der Beurteilung etwas anderes legt, kann es bei einer eigenen
Hitliste mitstimmen.
Hoyer ist heute schon zuversichtlich, dass das internationale Medienfestival im April seine
Fortsetzung in zwei Jahren finden wird.
Villingen-Schwenningen, einst weltweit führend in der Entwicklung der Unterhaltungselektronik und auch
von Computern könnte durch die Ausstrahlung des Festivals zu neuer Blüte als Medienstandort
erwachsen.
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